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Die Geschichte von Mamu dem Affen: „Die ersten zehn Sekunden in denen ich nicht weiß, wer ich bin und was mein Leben ist“

Eine Kurzgeschichte über Mamu den Rhesusaffen:

Ahhhhh, die ersten zehn Sekunden nach dem aufwachen. Die ersten zehn Sekunden in denen ich nicht weiß, wer ich bin und was mein Leben ist.

Jeder Morgen beginnt gleich. Ich höre Türen, dann die laute Kaffeemaschine. Schritte. Der angenehme Duft von Kaffee. Das bedeutet, dass es gleich los geht. Gemurmel. Stimmen. Etwas von einem Fußballspiel gestern Abend. Heiterkeit.

Sie kommen herein. Das Licht geht an. Die anderen schreien und toben. Ich bleibe ruhig. Zu lange bin ich schon hier, als das ich dafür meine Kräfte verschwenden würde. Es ist sinnlos.

Ich habe Durst. Wir alle haben Durst. Seit zwei Tagen haben wir nichts zu trinken bekommen. Sie nennen es Wochenende. Eigentlich mag ich die Wochenenden, denn da lassen sie uns in Ruhe. Und durstig.

Hattest DU schon einmal Durst? Ich meine so richtig. Die Art Durst, die man nach 20 Stunden ohne einen Tropfen Flüssigkeit spürt. Dein Hals wird so trocken, dass du nicht schlucken kannst. Es schmerzt. Du bist schwach. Kannst dich kaum bewegen. Aber aus Verzweiflung versuchst du mit deiner trockenen Zunge die Gitterstäbe abzulecken. Manche versuchen sogar ihren eigenen Urin zu trinken. Das ist Instinkt.

Da, wo ich herkomme, perlt am Morgen der Tau von den Blättern. Hier gibt es keine Blätter. Nur Gitterstäbe und Geräte. Und eine Miese Luft. Kein Fenster, keine Frische Luft. Ja noch nicht einmal ein Stück Himmel. Das Licht ist grell und weiß. Es kommt von Leuchtstoffröhren an der Decke. Die Sonne habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen. Unsere Luft kommt aus summenden Lüftungsschlitzen an der Wand. Sie stinkt und presst sich brennenden die trockenen Atemwege hinunter bis in die Lunge. Bei jedem Atemzug. Jeden Tag.

Heute ist Montag. Ich weiß, ihr Menschen hasst den Montag, weil ihr da wieder arbeiten müsst. Ich muss auch arbeiten. Für Wasser. Sie zerren mich am Hals aus dem Käfig. In einen Stuhl wie sie es nennen. Dabei handelt es sich um eine Plastik-box in der ich eingesperrt werde. Mein Kopf schaut durch den Deckel heraus und wird fixiert. In meinem Kopf steckt ein Stahlbolzen. Den haben sie mir am ersten Tag einoperiert. Direkt in die Schädeldecke bis ins Gehirn. Dieser Bolzen dient dazu, dass ich meinen Kopf für die nächsten fünf Stunden nicht bewegen kann. Denn sie wollen nicht meinen Körper sondern meine Aufmerksamkeit. Ich soll Aufgaben lösen. Sie nennen es Training. Wie bei jedem Training bekomme ich eine Belohnung, wenn ich die richtigen Hebel betätige. Es ist Wasser. Nur ein paar Tropfen natürlich, schließlich ist das das ihr einziges Druckmittel.

Mein Rücken schmerzt. Die Box in der ich gefangen gehalten werde ist unbequem. Ein unbequemer Stuhl. Und ich bin Müde. Mir fallen vor Erschöpfung die Augen zu. Stundenlang musste ich für ein paar Tropfen Wasser auf einen Bildschirm schauen und Aufgaben lösen. Ich bin noch immer durstig. Das werde ich auch bis Morgen bleiben. Morgen ist Dienstag. Da spritzen Sie die Käfige mit kaltem Wasser aus. Mit etwas Glück, bleibt diesmal etwas mehr Flüssigkeit zum auflecken zurück als beim letzten Mal.

Ich bin Mamu. Ein Rhesusaffe.

Rhesusaffen Mutter mit Baby

Quelle: Wikimedia (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_Love_of_a_Mother.jpg)

 

Früher habe ich noch mit den anderen geredet. Wir haben uns gefragt was das soll. Wieso uns das angetan wird. Ob und wie wir hier herauskommen. Wir haben uns nächtelang diese Fragen gestellt. Manchen machen das noch Heute. Ich nicht. Ich weiß nicht, wieso man mir das antut. Oder ob ich das verdient habe. Ob es eine Strafe ist. Habe ich etwas getan? Vielleicht in einem früheren Leben? Gibt es einen Gott der zufrieden auf mich und mein Leid herabsieht? Sicher nicht. Es ist kein Schicksal, kein Schöpfer, kein Karma das mir das antut. Es ist die Grausamkeit der Menschen. Der grundlegende Gedanke, dass andere Leben weniger Wert haben als ihre eigenen.

Ich werde hier nicht herauskommen. Keiner von uns. Zumindest nicht lebendig. Das weiß ich. Und die anderen wissen es eigentlich auch. Aber sie haben noch Hoffnung. Hoffnung, dass ein Wunder geschieht. Dass jemand kommt um uns zu retten. Dass da draußen vielleicht jemand steht und genau in diesem Moment für unsere Freiheit kämpft. Ich glaube nicht.

Manchmal blicke ich hinüber zu den Ratten. Ich beneide sie gelegentlich. Nicht weil es ihnen besser geht oder weil ihnen weniger grausames angetan wird. Nein, ganz und gar nicht. Sie werden noch schlechter behandelt als wir, denn sie sind ersetzbar. Das sind wir irgendwie auch, aber sie wollen uns lebendig. Bei Verstand. Was sie von ihnen wollen, ist, was die Ratten von uns unterscheidet. Ihren Körper. Nur ihren Körper. Sie werden verstümmelt und gequält. Genau wie wir. Und doch haben wir etwas ganz besonderes das sie wollen. Unser Bewusstsein. Sie wollen uns bei möglichst klarem Verstand. Die Ratten sind gefangen in ihrem Käfig. Ich bin es in meinem Körper. Ich kann nicht abschalten. Ich kann nicht gebrochen werden. Mein Kopf kann nicht fliehen, denn er ist es den sie wollen. Ich muss alles klar empfinden. Das ist es was sie möchten. Meine Empfindung wenn ich gequält werde. Wenn meine körperlichen und seelischen Kräfte bis an die Grenzen und darüber hinaus ausgereizt werden. Sie wollen wissen, was in mir vorgeht, wenn ich Durst habe, Angst, Wut. Und das kleine Fünkchen Hoffnung bei jedem Tropfen Saft den ich als Belohnung bekomme.

Es macht keinen Sinn. Denn ich fühle wie ihr. Ich denke wie ihr. Ich liebe wie ihr. Habe Angst, Hoffnung, Freude, Verzweiflung. Genau wie ihr.
Und doch reicht euch das nicht. Ihr braucht das auf Papier. Linien, aufgezeichnet von meinem Gehirn. Emotionen, abgezapft über die Elektronen, die in meinem Kopf stecken.
Ja, das ist es. Wie reagiert das Gehirn, wenn der Körper geschunden wird? In welche Richtung schlagen die Zeiger aus? Das braucht ihr auf Papier. Ihr nennt das Grundlagenforschung. Ich nenne es kaltblütig, herzlos, grausam.

Ich frage mich manchmal, ob es auch andere Menschen gibt. Alle die ich kenne sind so. Ohne Gefühle. Ohne Respekt vor dem Leben. Das wunderbarste das unsere Erde hervorgebracht hat. Ein Schatz.

Ein Schatz, gefangen in einer Plastik-box. Gedemütigt jeden Tag. Es ist nicht die stickige Luft, die Dehydration oder der permanente körperliche Schmerz der es so unerträglich macht. Es ist das Gefangen sein im eigenen Bewusstsein. Ohne Möglichkeit zu fliehen.

Doch es gibt Hoffnung. Eines Tages, und das weiß ich sicher, hat das alles ein Ende. Ich gehöre zu denen die schon länger hier drin sind. Ich weiß es. Sicher. Die anderen noch nicht. Ich will ihnen ihre Hoffnung nicht nehmen. Die Hoffnung hier raus zu kommen. Das ist nicht woran ich glaube. Denn das, worauf ich warte ist der End-versuch. An diesem Tag wird mein Gefängnis aus Gitterstäben, Körper und Bewusstsein zerbrechen. Und ich werde frei sein.

Bis es so weit ist, bleibt mir nur eins. Die ersten zehn Sekunden nach dem aufwachen. Die ersten zehn Sekunden in denen ich nicht weiß, wer ich bin und was mein Leben ist.

Ich bin Mamu.

Die Fakten zu Tierversuchen an Affen

So wie Mamu geht es über 240.000 Tiere im Jahr. Die meisten davon, knapp 175.000, oder 70% sind Nagetiere wie Ratten und Mäuse. Das MPI (Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen) weißt darauf hin, dass lediglich 0,007% davon Affen sind. Mit diesen Prozentangaben versucht das MPI die 171 Affen – jeder davon ein fühlendes Wesen mit einer Persönlichkeit – im Jahr zu verschleiern. Das ist ein „verbrauchter“ Affe alle zwei Tage. Beziehungsweise 477 Nagetiere pro Tag.

Immer wieder wird auf die Grundlagenforschung als Motivation für die grausamen Versuche verwiesen. Die Grundlagenforschung soll als Freifahrt-schein dienen. Selbst das MPI gesteht aber ein, dass die Versuche keinen direkten Nutzen für das tägliche Leben haben. Auch führen sie nicht direkt zu neuen Medikamenten oder Therapien. Als Triebfeder wird ultimativ die Neugier angegeben. Es wird einfach blind drauf los geforscht.

Außerdem wird die Grundlagenforschung im Zusammenhang mit Tierversuchen in Verbindung mit großen Erfolgen bei der Behandlung von Krebs, Alzheimer, Parkinson oder multiresistenten Erregern gebracht. Doch die Durchbrüche bleiben aus. Wo sind die Resultate und Therapien für die genannten Krankheiten?

Das MPI wird nicht müde auf die artgerechten Bedingungen der Tiere zu hinzuweisen, doch wie SOKO Tierschutz vor kurzem enthüllen konnte, kann von Artgerechter Haltung keine Rede sein. Tiere die versuchen die Implantate vom Schädel zu reißen. Tiere die vor Durst die Gitterstäbe ablecken und ihren eigenen Urin trinken und Tiere die sich übergeben sind ebenso wenig normal wie die Art wie die Tiere mit Gewalt am Hals in die Versuchsstühle gezwungen werden um dann Stundenlang mit fixiertem Körper Aufgaben zu lösen.

Dass die Versuche den Tieren Leid zufügen, streitet das MPI noch nicht einmal ab. Das MPI macht es sich allerdings sehr einfach und beruft sich auf die „Güterabwägung“ – was für ein grausames Wort im Zusammenhang mit hochentwickelten Lebewesen. Das MPI wiegt dabei den Artikel 20a aus dem Grundgesetz „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung [durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.]“ gegen den Artikel 5 „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.“ ab. Ohne zu berücksichtigen, dass eine freie Forschung nicht dazu berechtigt, andere Gesetze zu ignorieren und den Schutz der Tiere auszuhöhlen.

Die Flexibilität des MPI bei der Auslegung von Gesetzen zeigte sich ganz besonders deutlich Ende letzten Jahres, als ein Mitarbeiter des MPIs eine angebliche Körperverletzung durch Tierrechtler inszenierte. Den Rückhalt den der verurteilte Mitarbeiter von der Max-Planck-Gesellschaft nach diesem Vorfall erhielt zeigt die kriminelle Energie, die hinter dieser Scheinbaren Forschungseinrichtung steckt. Der großartige Wissenschaftler und Mitbegründer der Quantenphysik Max Planck würde sich im Grabe drehen, wenn er um den ausverkaufen seines Namens wüsste. Das ist nicht Wissenschaft, das ist Barbarei aus persönlichen Interessen.

Obwohl das MPI inzwischen keine Versuche mehr an Rhesusaffen selbst vornimmt, wurden die verbebenden Tiere an andere Anstalten abgegeben oder in Endversuchen getötet. Der Kampf ist somit leider noch nicht gewonnen. Die wackeligen Argumente auf denen hier Experimente durchgeführt werden berechtigen nicht im geringsten die Assoziation zur seriösen Wissenschaft und Forschung. Die Menschen glauben die Lügen um die Notwendigkeit von Tierversuchen nicht länger und die unethischen Praktiken sowie unseriösen Taktiken genießen keinerlei Rückhalt in der Bevölkerung wie mehrere repräsentative Umfragen zu Tierversuchen zeigen.

Weitere Informationen gibt es bei PETA und SOKO Tierschutz.

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