Aussteiger in Bulgarien (Teil 2: Unsere Erfahrungen)

Im ersten Teil haben wir über unsere Vorbereitungen zu unserer Bulgarien Reise berichtet. Wir sind nun seit einigen Tagen wieder zurück in Spanien und möchten Euch im folgenden über unsere Reise und Erfahrungen quer durch Bulgarien berichten.

Im Gegensatz zu dem was wir über Bulgarien gehört haben, haben sich uns das Land und die Menschen von einer ganz anderen Seite gezeigt. Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit, ganz anders als es uns vorab dargestellt wurde, oder wie man es aus den Medien hört.

Die Natur in Bulgarien ist zu unserer Überraschung wirklich noch intakt. Es gibt viele Wälder mit richtigen Laubbäumen wie Eichen usw. Das Wasser in den Bergen ist absolut rein und klar. Wir haben die Wasserqualitäten zwischen 21 und 200 PPM gemessen. Überall gibt es natürliche Quellen und freie Entnahmestellen für Trinkwasser.

Wir haben sehr viel gesehen, wir sind durchs ganze Pirin Gebirge gefahren und durchs ganze Rhodopen Gebirge. Wir sind von der Mazedonischen Grenze bis runter zum Schwarzen Meer gefahren. Dann von der Türkischen Grenze rauf bis über Burgas. Von da aus sind wir quer durch das Land nach Sofia gefahren.

Wir hatten sehr viel Hilfe in Bulgarien von einem lieben Pärchen, einem jungen Anwalt und seiner Frau. Sie haben schon im Vorfeld Immobilien für uns herausgesucht, angefangen von Grundstücken über Häuser bis hin zu ganzen Dörfern. Sie haben vorher bei den Gemeinden angerufen und klar erzählt was wir machen wollen. Nahezu überall wo wir uns etwas angesehen haben war der Bürgermeister gleich mit vor Ort. Wir wurden überall mit offenen Armen empfangen. Auch bot uns so manch ein Bürgermeister bezüglich Genehmigungen und anderen Formalitäten direkt seine Hilfe an. Es war alles sehr herzlich und wir haben uns gleich aufgenommen gefühlt. Die Menschen waren sehr offen gegenüber unseren Ökodorf-Projekten und sind dem ganzen mehr als wohlgesonnen. Ein Bürgermeister sagte er bete zu Gott, dass Menschen wie wir kommen und neues Leben ins Dorf bringen.

Alles in allem haben wir ganz viel gesehen und wurden überall mehr als herzlich aufgenommen. Nach der Tour sind Katrin und ich allein komplett durchs Rhodopen Gebirge gefahren was ein echtes Abenteuer war.

Armut in Bulgarien

In Bulgarien gibt es viel Armut und viele Menschen leben sozusagen von der Hand im Mund. Allerdings schienen diese „armen Menschen“ – selbst in den alten Dörfern wo nur noch ein paar alte Menschen lebten – nicht gerade unglücklich, wenn ich mir so die Gesichter angesehen habe. Eine Frau winkte uns lachend zu und sagte sie sei mittlerweile 120 Jahre alt. Mir ist aufgefallen, dass diese „armen Menschen“ sehr glücklich waren. Ihre Augen lachten und strahlten wärme und Zufriedenheit aus. Ich kenne kaum Menschen, deren Augen so zufrieden aussahen wie bei diesen Menschen. Ich denke, dass die Armut auch ein Segen sein kann. Diese Menschen haben kein Geld um sich den ganzen Giftmüll aus den Supermärkten zu kaufen. Sie trinken ihr eigenes Quellwasser und essen aus dem eigenen Garten oder bekommen es von Menschen aus ihrer Region – alles selbst angebaut. Ihr Fleisch stammt nicht aus Massentierhaltung sondern hier leben die Tiere frei in der Natur. Ich denke, dass diese Menschen gar nicht wissen, was für ein Segen ihre „Armut“ in Wahrheit ist.

Die Jungen Menschen verlassen die Dörfer, um so zu leben, wie wir es nicht mehr möchten. Wir laufen von der Industrialisierung davon und die jungen Bulgaren sehen darin ihre Zukunft. Wenn sie die Wahrheit wüssten würden über die EU, industrielle Lebensmittel und die Industrialisierung, dann würden sie ihr Dorf wahrscheinlich nie verlassen, denke ich.

Die Qualität von Obst und Gemüse ist für uns der absolute Oberhammer gewesen. Hier schmecken die Tomaten noch wie richtige Tomaten und die Gurken haben so geschmeckt, wie ich sie aus meiner Kindheit kenne. Das Obst ist vom Geschmack her das Beste, was ich in den letzten 35 Jahren gegessen habe. Allein die Äpfel haben so toll geschmeckt, wir hätten uns ausschließlich von denen ernähren können. Fleisch haben wir auch gegessen und es ist komplett anders, als das war wir aus unserer Vergangenheit kennen. Alles was wir gegessen haben war absolut hochwertige Bioqualität, wie wir sie nicht mal in Bioläden bekommen. Besser haben als in Bulgarien haben wir in den letzten Jahrzehnten nicht gegessen.

Preise

Die Preise Variieren je nach Gegend. Wir haben in Melnik für ein Hotelzimmer für uns Zwei zusammen 7,50 Euro pro Nacht bezahlt. Essen gehen inkl. Getränken liegt bei etwa 10 Euro pro Person. In kleineren Dörfern ist es noch günstiger. Wir haben für ein Menü inkl. Getränke für 5 Leute zusammen 51 Lever bezahlt – das sind rund 25 Euro. Das ist schon mehr als günstig und wir konnten nicht einmal alles aufessen. Wo kann man noch essen gehen für 5 Euro pro Person inkl. Getränke?

Die Grundstückspreise variieren sehr stark je nach Region. Man bekommt ganze Häuser mit Grundstück ab ca. 4000 Euro in einer günstigen Region die woanders ab 50.000 Euro zu haben sind. Hier gibt es wirklich sehr starke Preisunterschiede. Grundstückspreise variieren auch je nach Region zwischen 1 Euro und 100 Euro pro Quadratmeter. Es ist also alles vorhanden in den verschiedenen Preisklassen. Die Regionen mit den günstigen Grundstücken fanden wir eher unattraktiv oder sie waren zu weit ab vom Schuss oder zu hoch gelegen, so dass es im Winter zu kalt wird.

Die einzige Gegend, die uns am besten gefallen hat, ist zwischen Sozopol und Rezovo im Küstenbereich – maximal 10 Kilometer ins Landesinnere. Allerdings sind in dieser Gegend die Immobilien sehr teuer und es gibt hier kaum Grundstücke zu kaufen. Die Häuser haben dort zudem sehr kleine Grundstücke. Die Preise gingen ab ca. 50.000 Euro los und es war kaum etwas zu bekommen.

Wir haben einige schöne Grundstücke und Dörfer gesehen die bestimmt sehr interessant und gut geeignet für solche nachhaltigen Projekte sind. Nur uns hat eines gefehlt, der AHA Effekt. Also dass wir sagen könnten „das ist genau der Ort den wir suchen, das ist unser zuhause, hier möchten wir bleiben.“ Dieser AHA Effekt fehlte komplett. Den gab es nur in der Region zwischen Sozopol und Rezovo und dort haben wir kein geeignetes Fleckchen Erde gefunden.

Bulgarien ist definitiv ein tolles Land und wir schauen weiter, ob wir in unserer Wunsch Gegend das geeignete Fleckchen Erde finden. Wir sehen das so: unser Fleckchen Erde, welches für uns bestimmt ist, wartet noch irgendwo auf uns. Es wird uns finden, ohne dass wir Mühe haben zu suchen. Dann ist es richtig und im Fluss.

Es geht weiter. Als nächstes schauen wir uns Ungarn an. Hier sind wir von mehreren lieben Menschen eingeladen worden und schauen uns das Land an so wie einige Grundstücke und Häuser.

Das größte Problem ist dass wir ganz viel Land brauchen für mindestens 50 Grundstücke/Häuser. Würden wir nur für uns allein schauen, hätten wir schon längst etwas gefunden. Nur brauchen wir mindestens 50 Hektar Land und das ist nicht so einfach zu finden wie ein kleines Haus/Grundstück. Nur für uns allein hätten wir schon das passende gehabt.

Wir haben auch noch ein Angebot aus Nordspanien. Ein altes kleines Dorf mit 3 Häusern, 20 Hektar Land dabei für 220.000 Euro und angrenzende 100 Hektar Land können wir später dazu kaufen. Nur  ist Nordspanien zwar wesentlich grüner aber auch viel Kälter. Und alles andere wie Gesetze, EU-Tyrannei usw. ist hier leider auch nicht (mehr) viel besser (als in Deutschland). Ich weiss nur eines: wenn wir das passende gefunden haben, wird unser Herz es uns sagen – egal in welchem Land es liegt. Wir lassen alles auf uns zukommen.

Ich arbeite seit längerem an einem Konzept für ein autarkes Dorf, welches ist in den nächsten Wochen fertig und hier veröffentlicht wird. Es ist anders als alles andere was es an Ökodorf-Konzepten gibt. Es ist in dieser Form einmalig und es wird vielen Menschen helfen, ihre Vision vom autarken Leben zu realisieren. Ich denke erst wenn das Konzept online ist, wird sich alles fügen.

Viele Menschen stehen in den Startlöchern und warten auf das passende, nachhaltige Projekt. Alle Probleme die es in den bestehenden Gemeinschaften gibt wurden von uns von vorneherein berücksichtigt, so dass es auch tatsächlich auf Dauer Bestand hat. Unter dem Konzept wird es ein Bewerbungsbogen geben, bei dem jeder, der sich mit dem Konzept identifizieren kann, die Möglichkeit hat sich einzutragen um dabei zu sein.

Ein Kommentar

  1. […] Zum zweiten Teil unserer Reihe „Aussteiger in Bulgarien“ geht es hier. […]

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